Leserbriefe an die Heilbronner Stimme

Blickfang_Tastatur_Leserbrief
Viele Leserbriefe unserer Mitglieder/innen wurden kürzlich in der ‚Heilbronner Stimme‘ veröffentlicht, teilweise gekürzt. Wir geben einige dieser Briefe hier wieder (Originalfassungen).
[Update 19.7.2014]

Franz W. am 15.7.2014:
Nur Sonntagsradler im Gemeinderat?
(Zur Planung einer „Fuß- und Radwegbrücke“ über den Heilbronner Bahnhof, zuletzt im Artikel „Zickzack-Brücke ins Buga-Gelände“)

Gibt es eine einzige Straße in Heilbronn, bei der man einen Aufzug nutzen muss, um mit dem Auto weiter fahren zu können? Nein? Dabei hätte man doch so viel Platz und Geld mit dieser Lösung sparen können.

Warum aber um Himmels willen sollen Radfahrerinnen, Kinderwagenschieber, Rolli-Fahrerinnen und Rollator-Piloten diese Zumutung bei einer neuen Brücke ertragen müssen, bei jeder Benutzung, und das noch an beiden Enden? Sind die Planer und unsere Gemeinderäte denn von allen guten Geistern verlassen? Nichts gelernt aus den schweren Fehlern bezüglich Barrierefreiheit bei Kiliansplatz, Bahnhofsvorplatz und zuletzt Allee und Sülmertor-Unterführung? Wollte man nicht das Radfahren in Heilbronn attraktiv machen? Will man wirklich den Neckarbogen von der Stadt isolieren statt ihn zu integrieren?

An Bahnhof Ostkreuz in Berlin wird über eine ähnliche Brückensituation diskutiert. Dort gibt es eine klare Erwartung der Bürger: das Benutzen der Brücke muss „technikunabhängig“ sein. Meine Forderungen für die Heilbronner Bahnhofs-Brücke, damit es kein Schildbürgerstreich wird:

1.) an beiden Enden fahrrad- und rollstuhltaugliche Rampen (das geht sicher auch platzsparend). Gerne Aufzüge zusätzlich, aber keinesfalls alleine Aufzüge und Treppen.

2.) keine Verkürzung der Bahnsteige. Ich möchte irgendwann dort auch die ICEs wirklich fahren sehen, die die offensichtlich schlecht informierten Planer schon einzeichneten.

3.) Zugänge von der Brücke zu allen Bahnsteigen (dort Treppe plus Aufzug). Und dazu gehört natürlich wie in jedem vernünftigen Bahnhof auch ein Wetterschutz über der Brücke (Beispiele: Heidelberg, Darmstadt).

Liebe Gemeinderäte, schlaft noch mal darüber, und dann plant bitte etwas Gescheites.

Nachtrag 1:
Beispielsweise am Bahnhof Neckargerach kann man sehen, dass auch eine Rampe mit wenig Platzbedarf genügend Höhe für eine Gleisüberquerung gewinnt:
Rampe für Radfahrer am Bahnhof Neckargerach

Nachtrag 2:
Die Zeitung kürzte den Brief nicht nur massiv, sondern änderte auch Formulierungen. Beides ohne Rücksprache mit dem Autor und ohne die Veränderungen kenntlich zu machen. Hier ein Vergleich des Originaltextes und der abgedruckten Fassung (für Details in das Bild klicken):
Verfaelschter Leserbrief - Synopse


Corina S. am 7.4.2014:
Strobls Märchenstunde
(Zum Artikel „Strobl: S21 bringt Vorteile“)

Es wäre schon interessant zu wissen, was für eine „aktuelle Fahrzeitenauswertung“ zu S21 Herrn Strobl da wohl vorliegt. Denn Schlichtung und Stresstest haben ganz klar eine massive Verschlechterung für die überwiegende Mehrheit der Bahnreisenden ergeben, nämlich die Pendler/innen. In der Spitzenstunde können mit S21 nur noch 3 Züge aus der Region Heilbronn nach Stuttgart fahren, heute sind es 5! S21 bedeutet also eine massive Verschlechterung. Das passt zu der 2013 enthüllten Tatsache, dass S21 – entgegen jahrelang gebetsmühlenartig wiederholter Behauptungen – nur für 32 Züge in der Spitzenstunde ausgelegt ist. So steht es schon in der Planfeststellung, so wurde es auch gerichtlich festgehalten, die Bahn hat dies bis heute nicht widerlegt.

Wie sollte sie auch. Denn der heutige Kopfbahnhof mit seinen 16 Gleisen leistet jetzt schon 38 Züge, modernisiert könnte er bis zu 56 Züge in der Spitzenstunde bewältigen. DAS wäre wahrhaft zukunftsweisend. S21 mit seinen nur 8 Gleisen dagegen bedeutet Kapazitätsabbau und Rückschritt. Selbst für die relativ wenigen Reisenden, die an den Flughafen wollen, wären die Veränderungen durch S21 nicht uneingeschränkt positiv, denn der angekündigte ICE von Stuttgart zum Flughafen fährt nur alle 2 Stunden, und die Fahrkarte kostet ein Vielfaches des jetzigen VVS-Tickets. Und dann ist ja auch noch ein Fußweg von 10 Minuten vom geplanten Flughafenbahnhof zum eigentlichen Flughafen zu überwinden. Moderner Schienenverkehr wird nicht in reinen Fahrzeiten gemessen, sondern in umfassenden Reisezeiten, inklusive Umsteigen, Warten, Gehen. Die entscheidende Frage ist nicht, wie schnell mein Zug fahren kann, sondern wie lange ich insgesamt brauche vom Ausgangsort zum Ziel – darauf kommt es an.

Vielleicht ist Herr Strobl ja in der Lage, die ihm angeblich vorliegende „aktuelle Fahrzeitenauswertung“ zu veröffentlichen. Das wäre professionell und konsequent, dann könnten qualifizierte Fachleute einen Blick darauf werfen. Und der Heilbronner Stimme stünde es gut an, bei einem umstrittenen Thema wie S21 nicht einfach eine als Artikel kaschierte Pressemitteilung eines Landes-Parteivorsitzenden abzudrucken, sondern den entsprechenden Sachverhalt kritisch zu prüfen.“


Hartmut E. am 5.5.2014:
Gemeinderat und Bahnhof
(Zum Artikel in der Heilbronner Stadtzeitung über den Gemeideratsbeschluss über den Bahnhofsumbau)

‚Stadt unterstützt Bahn‘ und ‚GR erhöht Zuschuss für Bahnhofsumbau‘, so steht es in der Heilbronner Stadtzeitung auf S.1. Klingt sehr gut, aber wichtige Fakten wurden leider unterschlagen, denn die Bahnsteige werden modernisiert rückgebaut, d. h. sie werden jetzt nur noch auf eine Länge von max. 200m ausgebaut. Das bedeutet, dass in Heilbronn nie mehr ein IC oder ICE halten wird, denn diese Züge brauchen eine Länge von mindestens 400m. Und glaubt man Insidern, dann hat die Bahn nach dem Bau des TiefbahnhofsS 21 noch ganz andere Einschränkungen für Heilbronn in der Schublade liegen. Fern-Anschlüsse von und nach Heilbronn werden nur noch mit immer längeren Wartezeiten auf anderen Bahnhöfen erreicht werden, was bei den üblichen Verspätungen sich katastrophal auswirken kann.

Dies scheint jedoch dem OB und 39 Gemeinderäten nicht wichtig zu sein, sie können es sich ja leisten, mit dem Auto zu fahren. Dafür wird sich Heilbronn nach dem Gemeinderatsbeschluss mit dem Aushängeschild eines sehr schönen Bahnhofs mit den ältesten Nahverkehrszügen Baden-Württembergs mit ‚allerbester‘ Verkehrsanbindung schmücken können.“

Anmerkung:
Die Heilbronner Stimme ist so dreist, an fast allen Leserbriefen Änderungen, Kürzungen und Verfälschungen vorzunehmen. Diese Änderungen werden niemals kenntlich gemacht. Manchmal werden die Leserbrief-Autor/inn/en vor die „freie“ Wahl gestellt, Änderungen zu akzeptieren oder auf den Abdruck ganz zu verzichten. Oft finden die Autor/inn/en die Manipulationen aber erst durch den Vergleich ihres Originaltextes mit dem abgedruckten Text. Diese Möglichkeit ist der sonstigen Leserschaft verschlossen. Im Falle des Leserbriefs von Hartmut E. konnte man eine Verfälschung aber schon vermuten: Hartmut erwähnte 39 Gemeinderäte, denn so viele hatten dem schlimmen Beschluss zugestimmt. Die Heilbronner Stimme hat eigenmächtig auf die volle Zahl der Gemeinderäte aufgerundet und, warum auch immer, „40″ gedruckt. Wer auch Leserbriefe an andere Zeitungen schreibt weiß, dass die Heilbronner Stimme deutlich aus dem üblichen Rahmen fällt…