Heilbronn in der Bahn-Wüste

Bahn-blockiert-Bahn
Bahnkunden traut man ein großes Maß an Kombinationsgabe, Spürsinn, Vorahnung, Flexibilität und Leidensbereitschaft zu. Als Lob betrachtet, wäre dies ganz nett. Weniger nett ist es, wenn diese Eigenschaften vorausgesetzt werden, um überhaupt noch mit dem öffentlichen Verkehr zu fahren.
Gerade in Heilbronn entsteht der Eindruck, man möchte den Menschen endgültig das Bahnfahren abgewöhnen und die Region definitiv vom Fernverkehr abkoppeln.
Anlässlich der heute beginnenden monatelangen Bahnsperrungen hat sich jemand den Frust von der Seele geschrieben:

Es brennt im öffentlichen Nah- und Fernverkehr für Heilbronn und Umgebung. Massive Einschränkungen für Bahnfahrer über Jahre hinweg, ohne Aussicht auf echte Besserung. Und der Umgang der Verantwortlichen in Stadt- und Landkreis sowie der Heilbronner Stimme damit ist so, als ginge es um Bagatellen. Über kleine Straßenbaustellen wird oft mehr berichtet als über das systematische Abhängen unserer Region vom Fernverkehr.

Zunächst zur Stadtbahn:
Die häufigen Ausfälle der S4 und deren schlechtes Handling sind bekannt.
Die Zabergäubahn wird nicht gebaut, nur Lippenbekenntnisse. Stattdessen ein Ausbaus der Busverbindungen, die dann bei Straßenstau gleich mit ausfallen.
Die Stadtbahn Nord führt zu einem erheblichen Wegfall von Regionalzügen und zu mehr Umsteigen auf den Bahnstrecken. Die für den Start im Dezember gebrauchten Stadtbahnzüge sind gekauft, ohne dass sie eine Zulassung für die Bahnstrecken haben, und es ist fraglich, ob sie diese bis Dezember erhalten werden.

Jetzt zu den Bahnsperrungen:
Durch den in den letzten Jahren erfolgten Abbau von Signalen und Weichen lassen sich Baustellen immer schlechter auf den Gleisen kompensieren, sondern Ersatzbusse mit all ihren Problemen (Kapazität, Umsteigen, keine Fahrräder, langsamer, usw. usw.) sind jetzt die Regel. Besonders schlimm sind diejenigen Baustellen, die nur zum noch weiteren Abbau von Infrastruktur dienen.
Folge: sowohl bei Bauarbeiten als auch bei Erdrutschen u.ä. kommt es zu wochen- bis monatelangen Komplettsperrungen. Für Heilbronn heißt das, dass die ohnehin schon schlechte Anbindung an den Fernverkehr in Mannheim und Würzburg völlig unzuverlässig wird (von der anderen Richtung, der S21-geschädigten Verbindung nach Stuttgart ganz zu schweigen).
Selbst wenn Sperrungen schon 2 Jahre im Voraus bekannt sind, wird schlecht darüber informiert und die Notfahrpläne sind ungenügend.
Konkret:
Jahreswechsel 2012/2013: monatelange Komplettsperrung Jagstfeld-Rappenau, zusätzlich mit unverzeihlichen Zugstreichungen zwischen Rappenau und Sinsheim, Ersatzbusse haben schlecht funktioniert. Gleichzeitig wochenlange Streckensperrungen bei Osterburken.
Pfingstferien 21013: Komplettsperrung HN-Jagstfeld, damit ist HN sowohl von HD/MA als auch von WÜ abgenabelt. Vorwarnzeit: ungefähr 2 Tage. Zeitgleich einzelne Zugausfälle auf der nördlichen Frankenbahn. Dann überlappend noch 2 Tage Sperrung der Strecke HN-Crailsheim, Vorwarnzeit ca. 1 Tag. Am Ende der Ferien Ankündigung, es sei auch in den folgenden Monaten mit einzelnen Zugausfällen auf der Frankenbahn zu rechnen.
Seit heute mit Beginn der Sommerferien 2013 nun die monatelange Sperrung der Neckartalstrecke. Während der Sommerferien sogar im Engpass in bzw. vor Heidelberg, so dass wieder zugleich die Kraichgaustrecke betroffen ist. Um zu sparen, fallen in dieser Zeit sogar einige Verbindungen von HN nach Jagstfeld weg, und es gibt unnötiges Umsteigen in Sinsheim. Mindestens ein Wochenende Anfang August gibt es zusätzlich starke Fahrplanänderungen auf der ganzen Frankenbahn wegen einer Baustelle bei Geroldshausen.
Dann fällt es kaum noch ins Gewicht, dass jetzt auch noch für 3 Wochen keine Stadtbahn durch die Innenstadt HN fährt.
Wann wurde informiert:
In der Rhein-Neckar-Zeitung immerhin ein großer Artikel am 7.6.13. In der HSt ein winziger Artikel vorgestern (und gestern einer über die Baustelle der Frankenbahn), und dann heute, also nach Beginn der Streckensperrung, der jetzt online stehende Artikel.
Laut HSt geht die Großbaustelle bis Ende Oktober, laut RNZ noch in den November hinein.

Und wenn das überstanden ist, dann kommt nächstes Jahr wieder eine Vollsperrung Jagstfeld-Bad Wimpfen, für ca. 6 Monate, wegen Brückenabriss und Neubau, was angeblich wegen der Stadtbahn nötig ist (denn Brückensanierung müsste ja die Bahn bezahlen).
[Update: laut Kurzmeldung der HSt vom 22.7.13 soll die Sperrung 2014 inzwischen sogar 11 Monate dauern und geht von Jagstfeld nicht nur bis Wimpfen, sondern unnötigerweise sogar weiter über Hohenstadt bis Bad Rappenau]

Danach ist dann wahrscheinlich der letzte Bahnfahrer so entnervt, dass niemand mehr Bahn oder Stadtbahn fahren will.

Oder?