Stresstest nicht bestanden – schlechte Noten für den Schlichter

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Liest man S. 6 und 7 des SMA-Testates (Abschnitt „Bewertung des Prozesses und der Ergebnisse“), dann lässt sich das so zusammen fassen:

1) Gefragt war nach „guter Betriebsqualität“.
2) „Gute Betriebsqualität“ ist leider nicht genormt.
3) Die bahneigene oberste Kategorie ist „Premium“, das ist die einzige Qualitätskategorie, in der Verspätungen sich nicht aufschaukeln.
4) Die Bahn hat für die Simulation die schlechtere Kategorie „Wirtschaftlich optimaler Leistungsbereich“ gewählt.
5) SMA bestätigt, dass die Bahn diese Kategorie fast, aber nicht ganz erreicht hat (an anderer Stelle fordert SMA, dass die Bahn erst nachbessert und dann die Simulation wiederholt! Unter anderem werden in der Simulation einige Voraussetzungen angenommen, die bisher weder geplant noch genehmigt sind).
6) SMA deutet an, dass die Orientierung an der Kategorie „Wirtschaftlich optimaler Leistungsbereich“ eine politische und gesellschaftliche Dummheit ist. Das wird zwar diplomaitsch formuliert, aber in Fettdruck hervorgehoben:
„Es kann nicht Aufgabe eines Audits sein, die in Deutschland geltenden Normen in Zweifel zu ziehen. Dieses Thema gehört auf die politische Ebene und berührt die Frage, welche strategischen Vorgaben der Unternehmenseigner an die Unternehmensführung vorgibt.“

Das sind zwei schallende Ohrfeigen, einmal für die Bundesregierung als Bahneigner, einmal für Herrn Geißler, der zu keinen Zeitpunkt dafür einstand, dass der „Stresstest“ klare Vorgaben und Kriterien bekam.

Zum wiederholten Male seit der sogenannten „Schlichtung“ stellt sich die Frage:
Ist Geißler so dumm, oder ist bevorzugt er mit voller Absicht die Bahn?

Als jemand, der gerne Bahn fährt (noch, z.B. demnächst mit dem Schlafwagen in den Urlaub), bekomme ich natürlich Gänsehaut, wenn der Bahnanbieter unter Qualität nur noch „Wirtschaftliche Optimierung“ versteht.
(a.v.h.)