Leserbrief: Die Spät-Baden-Württembergische Dekadenz

Kein S21plus
„Im Jahr 64 brannten Teile der Stadt Rom nieder, wodurch Kaiser Nero den notwendigen Platz bekam, um einen riesigen Palast zu bauen. Um den Verdacht von sich abzulenken, ließ er die Christen der Brandstiftung bezichtigen und grausam verfolgen. Das war spätrömische Dekadenz, nicht die Unterstützung von Menschen ohne Arbeit, wie Herr Westerwelle meint. Doch es gibt heute andere auffällige Parallelen zu damals.

In Stuttgart soll ein gut funktionierender Kopfbahnhof, der zudem noch beliebig ausbaufähig ist, für Unsummen in ein unterirdisches Hektik-Monster verwandelt werden. Auf den frei werdenden Flächen sollen riesige Büro- und Verkaufs-Paläste entstehen. Die Spät-Baden-Württembergische Dekadenz (nach zig Jahren Schwarz/Gelb) besteht darin, dass der Horizont der herrschenden Politiker auf Profite und Wirtschaftswachstum beschränkt ist.

Und leider haben Baulöwen einen kürzeren Draht zur Politik als etwa Handwerker, die Wohnhäuser CO2–sanieren können. Dort würde viel weniger Geld viel mehr Arbeitsplätze sichern und der Klimakatastrophe entgegenwirken. Statt dessen sollen über viele Jahre hinweg täglich 2400 Lkws Erdaushub in den Schwarzwald transportieren. Ganz zu schweigen vom Energieaufwand beim Bau der Tunnels und beim auch nach der Fertigstellung notwendigen Mega-Grundwassermanagement.

Jede Panne hierbei hat katastrophale Folgen. Weitere Kostensteigerungen sind uns sicher. Die Staatsverschuldung galoppiert. Wurden damals die Christen den wilden Tieren vorgeworfen, wird heute die Zukunft unserer Kinder zerstört.“
Hans, 12/2010