Prof. Bodack: S21 und die Alternativen – Wegweisungen aus dem Konflikt

Auf dem Abstellgleis
Das Bündnis „Heilbronner gegen Stuttgart 21 – für eine Bahnwende in der Region und im Land“ hatte zu seiner ersten größeren Veranstaltung am Donnerstag Abend (28.10.) ins Gewerkschaftshaus Heilbronn eingeladen. Die gut 150 Zuhörer füllten den großen Saal bis auf den letzten Platz. Der Hauptredner, Bahnspezialist Professor Bodack, hatte direkt unter dem damaligen Bahnchef Dürr gearbeitet. Dieser strengte, so Prof. Bodack, gegen ihn ein Disziplinarverfahren an, das aber im Sand verlief, weil das Äußern einer abweichenden Meinung nicht als Dienstvergehen zu werten gewesen sei. Trotzdem zog sich Prof. Bodack dann aus dem Bahndienst zurück. Auch die deutschen Fachzeitschriften hätten danach keine Artikel mehr von ihm angenommen. Die Meinung von Bahnfachleuten sei in den Medien erst wieder gefragt, seit es Bürgerproteste gegen unsinnige Vorhaben der Bahn gebe, insbesondere gegen Stuttgart 21.

Als Beispiel für eine nur auf Gewinn ausgerichtete Bahnpolitik nannte Bodack enorme Streckenstilllegungen und die Beseitigung von Ausweichgleisen bzw. Kreuzungsstellen, die es etwa alle 3 km gab. Nun könnten etwa Reparaturfahrzeuge nicht mehr ausweichen, und bei Reparaturen müssten deshalb Strecken komplett gesperrt werden. Ein Kritikpunkt an dem S21-Tiefbahnhof mit nur 8 Gleisen war die Unmöglichkeit des integralen Taktfahrplans, bei dem die Regionalzüge vor den Fernzügen ein- und nach den Fernzügen abfahren. Dass viele Gleise notwendig sind, wurde am Bahnhof Zürich dargelegt, der zwar untertunnelt werden soll, aber ohne dass oben auf nur ein einziges Gleis verzichtet wird.

Weitere Kritikpunkte an S21, die zu Sprache kamen: Tunneldurchmesser, die für die meisten Züge zu klein sind, halbierte Tunnelwandstärken, verdoppelter Abstand zwischen den Notausgängen, ein Bahnhof (am Flughafen), bei dem am ersten Gleis S-Bahnen in beiden Richtungen halten müssten und am zweiten Gleis ICs oder ICEs in beiden Richtungen (wegen der verschiedenen Höhe der Bahnsteigkante). Dies seien alles Sparmaßnahmen, um die Kosten innerhalb des Limits zu halten, die aber mehr als problematisch seien und bei Verspätungen einzelner Züge zum Chaos führten. Prof. Bodack stellte zwischen S21 und einem modernisierten Kopfbahnhof K21 mit verschiedenen Streckenvarianten Vergleiche mit einer Reihe von Kriterien an, mit für S21 vernichtendem Gesamtergebnis. Beim Kriterium Reisezeiten gäbe es zwar für einzelne Verbindungen kleine Vorteile durch S21, bei anderen Verbindungen aber erheblich größere Nachteile.

Gewinn von Bauland sei auch bei K21 möglich, durch Verlegung des Verschiebebahnhofs. Zudem könnten auch über Bahngleisen Gebäude errichtet werden, wie z. B. in Berlin geschehen.

Der äußerst überzeugende Vortrag mit vielen Bildern wurde mehrmals von anhaltendem Beifall unterbrochen. Prof. Bodack zeigte Verständnis dafür, dass sich gerade die Schwaben gegen gigantische Geld- und Energieverschwendungen durch S21 auflehnten, deren er eine lange Reihe aufzählte. Es sei ungleich teurer, neue Strecken mit vielen Tunneln bauen zu wollen, anstatt vorhandene Strecken auszubauen bzw. erst einmal wieder so instand zu setzen, dass die teilweise erheblichen Fahrzeitverluste gegenüber vor 15 Jahren beseitigt würden. Die Kosten für die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm seien wegen des problematischen Untergrunds der Schwäbischen Alb noch gar nicht abschätzbar. Zudem sei sie wegen der großen Steigung für heutige Güterzüge nicht befahrbar und wegen der wesentlich größeren Scheitelhöhe (Höhe des höchsten Punktes) ein ökologisches Desaster.

Nach seinem Vortrag ging Prof. Bodack bereitwillig auf die vielen gestellten Fragen ein. Zum Abschluss nahm sich Herr Martin Sauter vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) der speziellen negativen Auswirkungen von S21 auf die Region Heilbronn an. Aus Sicht seiner langjährigen Mitarbeit in der Fahrplankomission erläuterte er insbesondere Verschlechterungen der Fahrplanvertaktung und Nachteile der künftig deutlich höheren Trassenkosten. Bereits jetzt gehe durch überhöhte km-Preise zugunsten der Bahn die Hälfte der möglichen Transportleistungen verloren. Dieser Effekt werde durch S21 weiter verschlimmert.

Download des Einladungsflyers
Download der Präsentationsfolien des Vortrags (3,1MB)