Seit 1995 gibt es Widerstand in der Bevölkerung gegen S21. Ein Leserbrief

Zum Leserbrief von Herrn Fred B. in der Heilbronner Stimme:

Seit 1995 gibt es Widerstand in der Bevölkerung gegen S21. In den regionalen Medien gab es seinerzeit aber fast nur Jubelberichte über S21. Die kritischen Stimmen wurden medial nicht wahrgenommen. Im Sommer 2007 wurde eine Bürgerbefragung gestartet. Als diese schon lief wurde schnell der Vertrag unterschrieben um Fakten zu schaffen. Und auch schon damals versammelten sich tausende von S21-Gegnern am Rathausplatz.

Den Gegnern fehlte nämlich nicht das notwendige Wissen, im Gegensatz zu Herrn B., da sie sich schon seit 1995 mit dem Thema beschäftigen.
Jetzt da der Widerstand nicht mehr zu überhören ist, springen die Medien plötzlich auf den Zug auf.
Den Planern von S21 geht es nicht in erster Linie um die Verbesserung der Schieneninfrastruktur. Das könnte man schneller, billiger und besser zu haben.
Die Neubaustrecke nach Ulm wird vielleicht ein wenig schneller, immer noch muss man aber hinter Ulm die Lok umspannen, da die Strecke zum Bodensee nicht elektrifiziert ist. Wer also nach Lindau möchte hätte viel mehr Zeitgewinn, wenn für viel weniger Geld die Strecke elektrifiziert würde. Und es gibt etliche Bahnverbindungen, bei denen man mit vergleichsweise geringem Finanzaufwand die Gesamtfahrzeit verkürzen könnte. Weder die DB, und noch weniger die Politik, denkt an Verknüpfungen von Fern- und Regionalverkehr. Für die Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel ist aber eine schnelle Verbindung von Haus zu Haus wichtig. Eine Schnellbahntrasse, bei der man dann die gesparte Zeit an Umsteigebahnhöfen wieder vertrödelt, ist völlig unsinnig.

Die viel beschworene demokratische Legitimation des Projektes ist in sofern fragwürdig, wenn man sich anschaut, wer dort in den entscheidenden Gremien sitzt, und wessen Interessen dort vertreten werden. Die der Bahnfahrer? Nein, denn die Herren sitzen zuhauf in Aufsichtsräten unzähliger Wirtschaftsverbände, Banken und Baufirmen. In Vereinen und Verbänden, die sich für die Interessen von Fahrgästen einsetzen, sieht man sie nicht. So fragt man sich, wessen Demokratieverständnis hier eigentlich auf dem falschen Gleis ist.
Auch das Städtebauprojekt Stuttgart 21 ist auch ohne S21 zum großen Teil umsetzbar.
Gleichzeitig wird in unserer Region der Bahnverkehr vernachlässigt. Ab Bietigheim gibt es keine barrierefreien Bahnhöfe auf der Strecke nach Würzburg. Gleichzeitig wird der Vertrag mit der DB Regio der 2016 ausläuft, evtl. ohne Ausschreibung verlängert. Das bedeutet weiterhin keine Verbesserung im Schienenverkehr und zu teure Trassenpreise in Baden-Württemberg.

Susanne, 21.09.2010