Zum ‚Heilbronner Aufruf‘ der S21-Berufsbefürworter

Hurra, möchten man ausrufen, unsere Regionalpolitiker haben verstanden, was die Bevölkerung will: bessere Anbindung an die Fernstrecken der DB, zügige Verbindung in Richtung Mannheim, Tübingen, Schwäbisch Gmünd, Ulm oder Rottweil – und manch einer wird sich freuen, in 50 Minuten den Flughafen zu erreichen.

Es ehrt unseren Landrat, es ehrt unseren Oberbürgermeister, es ehrt unsere Parlamentarier, wenn sie wissen, was sie in dieser Situation zu sagen haben. Es ehrt alle, die den Bürgerprotest unterstützen, dass sie auch wissen, was sie zu sagen haben: Im Wunsch stimmen wir überein, in der Einschätzung der Wirklichkeit allerdings nicht.

Wenn die Argumente nicht weit her sind, dann muss man sich eben auf Zielorte berufen, die weit weg liegen: Paris, Bratislava, Prag.
Höchstens ein Fünftel der Züge auf der Strecke sind Fernzüge, und die sind nicht mit Reisenden besetzt, die von Paris nach Prag wollen – die nehmen das Flugzeug.
Und von wegen schnell: es gibt ja nicht einmal den schnellen Anschluss von Kehl nach Stuttgart, der schon seit über 20 Jahren versprochen ist. Und wer von Hamburg oder Köln nach München will, fährt über Würzburg und nicht den längeren Weg über Stuttgart.
Vier Fünftel des Verkehrs also ist Regionalverkehr, der nicht über den Flughafen-Bahnhof geleitet werden muss.
Acht Gleise für den Regionalverkehr sind heute schon erkennbar zu wenig. Und für Züge, die in Stuttgart enden, ist dann sowieso kaum Platz.

Wie es der großspurigen Wirtschafts- und Finanzpolitik der letzten Jahre entspricht: S 21 ist nicht nur von beförderungstechnischen Erfordernissen getragen, sondern von wirtschaftlichen Interessen. Die Stadtverwaltung hat Unternehmern Zusagen gegeben im Bezug auf das Bahnareal, bevor das Projekt reif und beschlossen war. Sie hat die Bahn gedrängt, am Vorhaben festzuhalten.

Der Bürgerprotest fordert nachhaltig wirksame Verbesserungen im Regionalverkehr. Die Verbindung der Epizentren im Umkreis von 70 km um Stuttgart funktioniert auch mit einem Kopfbahnhof – warum ist sie nicht schon seit Jahren im Fahrplan verwirklicht?
Wir sagen NEIN zu der Interessenkungelei von S 21.

Ulrich (15.9.2010)