Offener Brief: Die Bundesregierung muss Gefahren durch S21 abwenden

Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Wolfgang Schäuble, Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Verkehrsminister Peter Ramsauer und Umweltminister Norbert Röttgen

Bitte nehmen Sie sich des Abgrunds an, der sich in Stuttgart mit dem Bahnprojekt S21 auftut, mit Kostenexplosionen und Milliardenverschwendung angesichts leerer Kassen und Sparzwängen, mit schwerwiegenden Nachteilen wie z.B. massiven Verschlechterungen im
Nahverkehr, unterschätzten Baurisiken wie Abrutschen der Hänge, Zerstörung des Schlossgartens und Amputation des denkmalgeschützten Bahnhofs, Gefährdung der Mineralquellen und vielem anderen mehr.

Es gibt eine hervorragende Alternative, die nur von den Verantwortlichen abgelehnt wird, weil sie sich in eine falsche Richtung verrannt haben und sich nun auch noch durch massive Bürgerproteste in die Enge getrieben fühlen.

Die schlechte Variante ist der Umbau des Stuttgarter Kopfbahnhofs (17 Gleise) in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit 8 Gleisen, in dem schwere Störungen vorprogrammiert wären. Das sagt sowohl ein Gutachten, das dem Eisenbahnbundesamt vorliegt, als auch ein Schweizer Gutachten, das die Betreiber kennen. Zum Projekt gehören mehr als 30 km Tunnels und die Neubaustrecke Ulm-Wendlingen, wobei der Flughafen Stuttgart an den ICE-Verkehr angeschlossen wird.

Die bessere Alternative ist eine Modernisierung des Kopfbahnhofes und der vorhandenen Bahnstrecken zu einem Drittel der Kosten. Vergleichen Sie S21 bitte mit dem Alternativprojekt des Aktionsbündnisses K21 (Kopfbahnhof 21). Darüber informieren u. a. eine 50-seitige Broschüre und die Internetseiten www.kopfbahnhof-21.de und www.parkschuetzer.de .

Die Stuttgarter und die Menschen, die inzwischen aus dem ganzen Lande kommen, gehen aber auch auf die Straße, weil sie ernst genommen werden wollen, weil 68.000 Stuttgarter es nicht hinnehmen, dass ihr Bürgerbegehren abgewürgt wurde. Die Menschen erheben ihre Stimme und rufen „Lügenpack“, weil die Betreiber meinen, mit geschönten Zahlen, mit Geheimhaltung von Verkehrs- und anderen Gutachten und der Wirtschaftlichkeitsberechnung der Bahn sowie einer Verschleierungstaktik ans Ziel zu gelangen.

Wir ärgern uns und fühlen uns für dumm verkauft, wenn uns erklärt wird, es handle sich um ein Vermittlungsproblem. Wir wollen über unsere Angelegenheiten selbst entscheiden, wollen unsere Steuergelder sinnvoll investiert sehen anstatt sie zu vergraben. Statt für Milliarden Euro einen Verkehrsnotstand zu schaffen und auf Dauer zu zementieren, könnte das Geld sinnvoller in eine echte Verkehrswende fließen.

Im Protest gegen S21 kristallisiert sich der Unmut, der sich über Jahre angestaut hat. Die Wut, sucht sich ein Ventil. Die Wut, die genährt wurde durch eine Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung, wie z.B. die Bevorzugung der Atomenergie bzw. –wirtschaft, die Bereitstellung von Milliarden an Steuergeldern für die Banken, ohne dass wir erfahren sollen wer die Milliarden Euro erhält und wofür sie eingesetzt werden, das Kürzungspaket, bei dem wieder einmal die Vermögenden geschont werden, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wir appellieren an Sie, verehrte Spitzenpolitiker, unsere Sorgen ernst zu nehmen. Verhindern Sie durch geeignete Beschlüsse eine Eskalation. Setzen Sie einen sofortigen Baustopp durch. Fordern Sie Herrn Grube auf, die Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu veröffentlichen und sorgen Sie dafür, dass eine Neubewertung des Projektes unter Berücksichtigung sämtlicher Gutachten und unter vollständiger und umfassender Information der Öffentlichkeit erfolgt.

Mit Besorgnis

Initiative zur Gründung eines Aktionsbündnis Heilbronn gegen S21

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