Ansprache beim 5. Heilbronner Schwabenstreich

Ansprache beim 5. Heilbronner Schwabenstreich am Mittwoch, 15.09.2010

Gottfried May-Stürmer, BUND RV Heilbronn-Franken

Liebe MitstreiterInnen,

zum 5. Mal treffen wir uns heute beim Heilbronner Schwabenstreich gegen Stuttgart 21 und wieder sind viele neue Gesichter dabei.

Was ist neu heute?

Laut Heilbronner Stimme haben OB Himmelsbach, die Landräte Piepenburg und Jahn und einige Abgeordnete von CDU und FDP einen „Heilbronner Appell“ verfasst, in dem behauptet wird, für die Region Heilbronn-Franken gebe es kaum ein wichtigeres Projekt als Stuttgart 21.
Wollen die Unterzeichner alle schnell nach Bratislava?

Im Ernst, was braucht denn die Region Heilbronn-Franken wirklich?
Wir brauchen eine schnelle Bahnverbindung in den Norden und Osten Deutschlands.
Jedes Mal , wenn ich nach Hannover, Hamburg oder Berlin fahre, sitze ich zuerst fast zwei Stunden im Schraddelzug nach Würzburg, muss zittern, ob ich dort den Anschluss rechtzeitig bekomme, und ob ich bei dem alten Silberling die Tür aufbekomme. Auf der Rückfahrt dasselbe Spiel. Wir brauchen endlich den Ausbau der Frankenbahn für eine vernünftige Anbindung an den Schienenfernverkehr nach Norden!

Wir brauchen außerdem bessere Verbindungen innerhalb der Region nach Schwäbisch Hall und Crailsheim. Die Lücke zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall muss elektrifiziert werden. Und Künzelsau, die einzige Kreisstadt im Land ohne Schienenanschluss, braucht endlich wieder einen Bahnananschluss.
Wir brauchen auch im Landkreis Heilbronn einen besseren ÖPNV, vor allem den Südast der Stadtbahn ins Zabergäu. Die Trasse ist (noch!) vorhanden, der Kreistag hat diese Verbindung grundsätzlich beschlossen. Durch eine Büropanne wissen wir, wo dieser Vorgang im zuständigen Stuttgarter Ministerium abgelegt ist: Unter „Sonstiger Müll“.

Alle diese Projekt kosten Geld – keine Milliarden wie Stuttgart 21, aber ein paar –zig Millionen. Geld, das fehlen wird, wenn in Stuttgart über 500 Millionen Euro im Tiefbahnhof vergraben werden.

Wir haben gehört, auch andern Orts gibt es ähnliche Aufrufe wie den „Heilbronner Appell“. Was braucht denn das übrige Baden-Württemberg?
Baden braucht einen Ausbau der Rheintalschiene mit vernünftigem Lärmschutz.
Oberschwaben braucht die Elektrifizierung von Ulm bis Friedrichshafen.
Auch dafür wird das Geld fehlen, das für Stuttgart 21 vergraben wird!

Und was brauchen wir in Stuttgart?
Stuttgart braucht einen Bahnhof, mit dem sich der Regionalverkehr ausbauen und ein integraler Taktfahrplan verwirklichen lässt – wer das in der Schweiz ausprobiert hat, weiß, wie schnell und bequem Bahnfahren dort geht, ganz ohne Schnellbahnstrecken. Das geht mit dem Alternativkonzept K 21, das geht nicht mit dem engen Tunnelbahnhof von Stuttgart 21.
Wenn die Oberen unserer Region vor diesem Hintergrund behaupten, es gebe für die Region kaum ein wichtigeres Projekt als Stuttgart 21, zeigen sie, dass sie vom Bahnfahren kein Ahnung haben – wahrscheinlich, weil sie immer im Dienstwagen unterwegs sind.
(hier notiert das Protokoll Beifall und Gejohle)

Liebe MitstreiterInnen,
ich war heute in Stuttgart. Wer sieht, wie sich die Riesenbagger in den Bahnhof fressen, den friert es. Stuttgart 21 ist nicht unumkehrbar – aber wir haben nicht mehr sehr viel Zeit. Wir brauchen einen Abriss- und Baustopp sofort, und wir brauchen einen Volksentscheid – an dessen Ergebnis sich die Verantwortlichen dann zu halten haben.

Dafür sind wir hier – und dafür kommen wir jede Woche wieder!